Es ist der Tag vor dem großen Ereignis. Man sieht es ihm zwar nicht an, doch innerlich ist Michael Faber angespannt und aufgeregt. Am morgigen Tag wird sich entscheiden, mit wie viel Prozent der abgegebenen Stimmen der OB-Kandidat der Linken verlieren wird.
Denn dass er verlieren wird, steht außer Frage. Nichtsdestotrotz verteilt er während der Kundgebung des „Runden Tisches gegen Kinderarmut“ strahlend rote Flyer und beantwortet Bürgerfragen. Für ihn steht klar die Sache im Vordergrund. Und das ist auch der eigentliche Grund, warum hier noch immer um Stimmen geworben wird. Michael Faber ist Erstplazierter seiner Partei auf der Liste zur Wahl des Stadtrates und wenn es gut läuft (Umfragen zufolge fehlt dazu nicht viel) gelingt der Linken der Einzug in den Rat in Fraktionsstärke. Damit gelänge sie zu echter politischer Bedeutung in Bonn. Im Gespräch erklärt Michael Faber die Motive für seine Kandidatur zum Oberbürgermeister.
Erstens soll dem Wähler so eine Alternative zu SPD und Bündnis 90/Die Grünen präsentiert werden. Zweitens soll der SPD demonstriert werden, dass die Linke nicht von vornherein als „Steigbügel“ zur Verfügung steht, sondern eine eigenständige Partei darstellt. Zu guter letzt ist es schlichtweg eine willkommene Möglichkeit, mehr Präsenz im Wahlkampf zu zeigen. Denn dieser ist nicht für alle Parteien gleich- die Kleinen drohen im Fahrwasser der Großen verloren zu gehen.
Dagegen versucht sich die Linke zu wehren; Michael Faber setzt hierbei auf persönliche Gespräche mit dem Wähler und offene Diskussionen zu allen relevanten Themen. Dabei wirkt er gar nicht wie ein OB-Kandidat. Er stellt sich auch nicht als solcher vor und verteilt morgens alleine Informationsmaterial vor einem ALDI. Doch sobald es um Bonn geht, ist er zielstrebig und voller Tatendrang. Er möchte ein kostenloses Mittagessen an allen Bonner Schulen etablieren und plant, dies mit einer Erhöhung der von der Stadt erhobenen Gewerbesteuer zu finanzieren.
Es geht viel um Bildung an diesem Vormittag in Gesprächen mit Passanten. Das liegt wohl vor allem an den Helium-gefüllten Luftballons, die die Kinder anlocken. Doch auch andere Themen stehen zur Diskussion. Beispielsweise der kostspielige Bau des Bonner Festspielhauses. Dessen Unterhaltskosten, schätzungsweise vier Millionen pro Jahr, würde die Linke vorzugsweise der schwächer gestellten Bevölkerung zu Gute kommen lassen. Aber auch die großen bundesweiten Themen spielen durchaus eine Rolle. Zwar lässt sich so ein Ziel wie der Abzug aller deutschen Truppen aus Afghanistan wohl nicht auf kommunaler Ebene erreichen, doch ein kleiner Beitrag lässt sich dennoch leisten. Eine Patenschaft der Stadt Bonn für ein 350 Millionen Euro teures Kriegsschiff soll verhindert werden.
Zwar sind Fabers wichtigste Ziele in diesem Wahlkampf, gegen Kinderarmut vorzugehen und schulische Infrastruktur auszubauen, doch bleibt „ein großer Wunsch für die Zukunft“ den öffentlichen Personen-Nahverkehr für alle kostenlos zu gestalten. An dieser Stelle sind „die Roten durchaus grün.“ Denn so soll eine für alle zugängliche Alternative zum Auto geschaffen werden. Für die Linke soll Umweltschutz nicht am Geldbeutel ansetzen, denn dann diene er lediglich der Ausgrenzung sozial Schwacher.
Für Michael Faber wird er morgen zu Ende gehen: ein „anstrengender, interessanter und langer“ Wahlkampf voller Flyer, Ballons und Diskussionen.
Von Matthias Langen





Mein Name wird mit Doppel-T geschrieben, bitte. MatThias!!
Gruß!
Ist geändert, der Name stand auch falsch auf der Teilnehmerliste. Übrigens nochmal ein großes Lob für den Artikel, ich find ihn richtig gut gelungen!